Die rheinland-pfälzische Fahrzeugindustrie – stark im Wandel

Die rheinland-pfälzische Fahrzeugindustrie –
Eckpfeiler unserer Wirtschaft

Die rheinland-pfälzische Fahrzeugindustrie (Automobil-, Nutzfahrzeug-, bzw. Land-, Bau- und Sondermaschinenindustrie) ist eine der strukturbestimmenden Branchen unseres Landes. Die herausgehobene Rolle basiert auf

  • ihrer direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Bedeutung,
  • ihrer Intensität im Bereich der Forschung und Entwicklung,
  • ihres überdurchschnittlichen Exportanteils sowie
  • ihrer Beschäftigungswirkung.

Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie eine Vielzahl kleiner und mittlerer Zulieferbetriebe prägen das Bild der Branche in unserem Land.

Die Fahrzeugindustrie von Rheinland-Pfalz spielt in globalen Wertschöpfungsketten eine wichtige Rolle. Der Exportanteil liegt bei rund zwei Dritteln und belegt damit ein im internationalen Vergleich hohes Wettbewerbs-, Kompetenz- und Leistungsniveau. Dies hat zu einer starken internationalen Wettbewerbsposition der rheinland-pfälzischen Fahrzeugindustrie geführt. Fahrzeuge bzw. Fahrzeugteile aus Rheinland-Pfalz werden weltweit nachgefragt und geschätzt.

Ein deutlicher Beleg für die Innovationskraft der rheinland-pfälzischen Fahrzeugindustrie ist die zunehmende Verbreitung sogenannter „Lead-plants“. Hier werden – innerhalb eines meist international aufgestellten Konzerns – gleichermaßen Entwicklung wie Produktion an einem Standort betrieben. So können innovative Produkte zügig und effizient entwickelt werden, kostengünstig in die Serienfertigung gebracht und schnell in den Markt eingeführt werden. Die enge Kopplung von Entwicklung und Produktion verschafft „Lead-plants“ einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Anders als bei reinen Produktionsstätten ist hier sichergestellt, dass kontinuierlich Innovationen erzeugt und in die Produktion überführt werden, was einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Absicherung leistet. Gerade im aktuellen Transformationsprozess der Fahrzeugindustrie werden solche „Lead-plants“ zu Schlüsselakteuren. Die Kompetenz, innovative Ideen in marktfähige Produkte zu überführen, ist entscheidend dafür, dass kostenintensive Innovationsprozesse schnell durch Produktion und Vertrieb marktfähiger Produkte refinanziert werden können.

Die Zusammenarbeit zwischen Fahrzeugherstellern und der breit aufgestellten Zulieferindustrie (oftmals kleine und mittlere Unternehmen (KMU)) ist durch eine enge Kooperation charakterisiert. Diese gehen weit über herkömmliche Kunden-Lieferanten-Beziehungen hinaus. Bundesweit werden – mit steigender Tendenz – etwa 70 % der Wertschöpfung der Fahrzeugbranche im Zulieferbereich realisiert. In der rheinland-pfälzischen Fahrzeugindustrie liegt dieser Anteil noch höher. Die wachsende Bedeutung des Zulieferbereichs eröffnet insofern besondere Wachstumspotenziale. Sie potenzieren sich am Standort Rheinland-Pfalz aufgrund der engen Verflechtung mit anderen Branchen (z.B. Maschinen- und Anlagenbau, chemische Industrie, IT- und Elektroindustrie, etc.).

In zunehmendem Maße werden in der Fahrzeugindustrie Stabilität und Verlässlichkeit von Kooperationsbeziehungen in Lieferketten und in Entwicklungsprozessen zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Auch das Thema Resilienz in Lieferketten gewinnt immer mehr an Relevanz. Regionale Produktion durch flexible, technisch kompetente Partner wird in der Fahrzeugindustrie immer wichtiger. Räumliche Nähe ist dabei ein entscheidendes Kriterium. Zentral im Herzen Europas gelegen, mit kurzen Wegen zu einer Vielzahl von Herstellern bzw. Märkten und ausgestattet mit einer ausgezeichneten Verkehrs- und Logistikinfrastruktur bietet Rheinland-Pfalz hervorragende Voraussetzungen für dauerhafte Kunden-/Lieferantenbeziehungen und Kooperation.

Dank wettbewerbsfähiger Unternehmen mit innovativen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat die rheinland-pfälzische Fahrzeugindustrie in der Vergangenheit ausgeprägte Technologie- und Kompetenzpotenziale entwickelt. Diese Potenziale gilt es einerseits nach außen verstärkt sichtbar zu machen und anderseits inhaltlich weiterzuentwickeln.

Wandel auf den internationalen Märkten

Eine Vielzahl grundlegender Prozesse des technischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Wandels verändert die Fahrzeugindustrie teilweise fundamental. Welche Folgen daraus für Produktpaletten, Produktionskonzepte und Geschäftsmodelle resultieren und wie die Vielfalt erfolgreicher Lösungsansätze ausgestaltet sein wird, lässt sich bislang nur ansatzweise abschätzen.

Aktuell zeichnen sich folgende Entwicklungslinien ab, welche für die Fahrzeugindustrie von übergeordneter Bedeutung sind:

  • die vielfältigen Innovationen in der Antriebstechnologie (Benzin-, Diesel-, Elektro- und Gasmotoren, hybride Antriebe, Brennstoffzellen bzw. Wasserstoff, aber auch synthetische Kraftstoffe zur Verwendung in konventionellen Verbrennungsmotoren),
  • das automatisierte bzw. das autonome Fahren in Verbindung mit dem vernetzten Fahren,
  • die klimaneutrale Produktion in der Fahrzeugindustrie im Zuge des European Green Deals,
  • die grundlegenden Veränderungen in globalen Produktions- und Lieferketten sowie
  • die Entstehung bzw. Entwicklung neuer Geschäftsfelder und neuer Geschäftsmodelle.

Die oben genannten Entwicklungslinien sind der Treiber für weitreichende Veränderungen. Diese betreffen gleichermaßen die Fahrzeughersteller wie deren Zulieferer und wirken darüber hinaus auch in bisher branchenfremde Wertschöpfungsbereiche hinein.

Diese Prozesse

  • haben erheblichen Einfluss auf die Wertschöpfung der Hersteller von Fahrzeugen und deren Zulieferbetriebe – auch in deren Binnenverhältnis,
  • verändern bestehende Wertschöpfungsketten nachhaltig,
  • bringen neue Mobilitäts- und Geschäftsmodelle hervor stellen existierende Geschäftsmodelle in Frage,
  • haben umfassende Auswirkungen auf Art und Umfang der Beschäftigung und
  • fordern von Nutzern und Beschäftigten auch Offenheit für die Anwendung neuer Technologien und Verfahren bzw. entsprechende Kompetenzen.

Der Struktur- und Technologiewandel bringt spürbare Auswirkungen auf eine Vielzahl der Zulieferer entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit sich, beginnend bei der Entwicklung, über Produktion, Vertrieb, After-Sales bis hin zu nachgelagerten Dienstleistungen und Services. Auch kleine und mittlere Unternehmen müssen diesen Herausforderungen begegnen und sich mittels neuer Produkte sowie Dienstleistungen und Geschäftsmodellen am Markt entsprechend positionieren.

Chancen für Rheinland-Pfalz nutzen

Rheinland-Pfalz ist ein wettbewerbsfähiger Industriestandort, an dem zahlreiche international erfolgreiche Unternehmen der Fahrzeugindustrie angesiedelt sind. Zudem verfügt unser Bundesland über eine Vielzahl exzellenter Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, die Themen der Fahrzeugindustrie bearbeiten. Diese betreiben in hohem Maße auch angewandte Forschung und Entwicklung und können Unternehmen bei technischen sowie nicht-technischen Herausforderungen des Strukturwandels unterstützen. Insbesondere sind hierbei die vielfältigen Kompetenzen im IT- und Softwarebereich, im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in den Bereichen Innovationsmanagement, strategische Planung und Geschäftsmodellentwicklung zu nennen. Ergänzt wird diese hervorragende Infrastruktur durch leistungsfähige Cluster und Netzwerke, aber auch durch ein landesweit fachlich gut aufgestelltes Kfz-Gewerbe sowie verschiedene Einrichtungen des Landes. Zusammen bilden diese Akteure ein „Business Ecosystem Fahrzeugtechnik Rheinland-Pfalz“, in dem Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam den Struktur- und Technologiewandel so gestalten können, dass die rheinland-pfälzische Fahrzeugindustrie gestärkt aus ihm hervor geht.

Mit »We move it« haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, den Wandel gezielt als Chance für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz zu nutzen. Die vielfältigen Initiativen von »We move it« haben und werden auch in Zukunft dazu beitragen, Rheinland-Pfalz als den Standort zu etablieren, an dem neue Fahrzeuge oder Fahrzeugteile entwickelt, erprobt, produziert und eingesetzt werden. Hierbei gehen wir technologieoffen vor. Wir stärken Forschung und Entwicklung in unserem Land und steigern die Wertschöpfung am Standort, um vorhandene Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.

Dies wollen wir erreichen, indem wir

  • die globalen Entwicklungslinien in der Fahrzeugindustrie mit den Partnern von „We move it“ analysieren und Konsequenzen für den Standort Rheinland-Pfalz ableiten,
  • den Austausch und die Kooperation im „Business Ecosystem Fahrzeugtechnik Rheinland-Pfalz“ sowie mit weiteren relevanten Partnern intensiv pflegen,
  • die Vernetzung von Unternehmen der rheinland-pfälzischen Fahrzeugindustrie fördern,
  • insbesondere KMU bei der Steigerung ihrer Innovationsfähigkeit unterstützen,
  • Infrastrukturen und Rahmenbedingungen weiterentwickeln bzw. transparent machen, welche die Entfaltung der Potenziale der rheinland-pfälzischen Fahrzeugindustrie fördern oder ermöglichen und
  • Rheinland-Pfalz als attraktiven, technologieoffenen Standort für die Entwicklung, Erprobung, Produktion und den Einsatz von Fahrzeugen bzw. Fahrzeugteilen sowie von neuen Geschäftsfeldern und Geschäftsmodellen rund um neue Fahrzeugkonzepte und Mobilitätsangebote noch sichtbarer machen.
Dr. Martin Thul
Dr. Martin ThulGeschäftsführer
Commercial Vehicle Cluster
Nutzfahrzeug GmbH

Europaallee 3-5
D – 67657 Kaiserslautern
TEL: 0631 – 414 862 50
FAX: 0631 – 414 862 59
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