Ellenberger – Industrielle Transformation als kontinuierlicher Entwicklungsprozess
Die Entwicklung der Ellenberger GmbH & Co. KG verdeutlicht, dass industrielle Transformation kein einmaliges Technologieprojekt ist.
Erfolgreiche Veränderung beginnt früh, erfolgt schrittweise und verbindet die Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen, Technologien, Mitarbeitenden sowie des Geschäftsmodells. Für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet dies, Transformation als langfristigen Entwicklungsprozess zu verstehen und nicht erst unter akutem Veränderungsdruck zu beginnen.
Über viele Jahre war die Ellenberger GmbH & Co. KG als Präzisionsbearbeiter und Lohnfertiger für die Automobilindustrie erfolgreich. Hohe Fertigungsqualität, zuverlässige Serienproduktion und langjährige Kundenbeziehungen bildeten die Grundlage des Unternehmens. Gleichzeitig war das Geschäft stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet. Als sich die Rahmenbedingungen der Branche veränderten, wurde deutlich, dass dieses Geschäftsmodell allein langfristig keine ausreichende Grundlage mehr für nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit bot.
Auslöser dieser Veränderung waren mehrere Entwicklungen, die den Automobilzuliefermarkt gleichzeitig beeinflussten. Die Dieselkrise, der Wandel zur Elektromobilität, zunehmende Globalisierung sowie steigender Preis- und Wettbewerbsdruck veränderten Produkte, Stückzahlen und Kundenanforderungen grundlegend. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an Qualität, Flexibilität und Lieferfähigkeit. Für Ellenberger entstand daraus die Notwendigkeit, die Produktion weiterzuentwickeln, neue Märkte zu erschließen und das Unternehmen breiter aufzustellen.
Die Folgen zeigten sich nicht nur in rückläufigen Stückzahlen einzelner Produkte. Auch die starke Abhängigkeit von der Automobilindustrie wurde zunehmend zum unternehmerischen Risiko. Gleichzeitig wurde deutlich, dass einzelne Verbesserungen in der Fertigung allein nicht mehr ausreichen würden. Erforderlich wurde vielmehr eine schrittweise Weiterentwicklung der Produktionsprozesse, der eingesetzten Technologien, der Kompetenzen der Mitarbeitenden und schließlich auch des Geschäftsmodells.
Die Ellenberger GmbH & Co. KG begann bereits früh, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten. Anstatt auf kurzfristige Entwicklungen zu reagieren, entwickelte das Unternehmen seine Produktion über viele Jahre Schritt für Schritt weiter. Die ersten Automatisierungslösungen wurden bereits im Jahr 2004 eingeführt – lange bevor Industrie 4.0 zu einem zentralen Thema wurde. Dadurch konnten neue Technologien schrittweise integriert, praktische Erfahrungen gesammelt und eigenes Know-how aufgebaut werden. Ziel war es, Produktionsprozesse, technologische Infrastruktur und die Kompetenzen der Mitarbeitenden gemeinsam weiterzuentwickeln und so die Voraussetzungen für eine langfristige Transformation zu schaffen.

Die Weiterentwicklung begann mit den Produktionsprozessen. Spannvorrichtungen und Werkstückaufnahmen wurden optimiert, um die Fertigung stabiler und zuverlässiger zu gestalten. Auf dieser Grundlage konnten anschließend Industrieroboter eingeführt werden, die wiederkehrende Fertigungsaufgaben übernahmen. Mit zunehmender Automatisierung baute das Unternehmen eigenes Know-how für die Planung und Integration automatisierter Produktionssysteme auf. Dabei verfolgte Ellenberger konsequent den Ansatz Low Cost High Automation (LCHA). Standardisierte und modulare Automatisierungslösungen wurden schrittweise eingeführt und konnten flexibel an neue Anforderungen angepasst werden.
Mit der Automatisierung entwickelte das Unternehmen gleichzeitig die technologische Infrastruktur für die weitere Digitalisierung. Maschinen, Roboter und Produktionsanlagen wurden schrittweise miteinander vernetzt. Dadurch entstand die technologische Grundlage, Produktionsdaten systematisch zu erfassen und für Planung, Steuerung sowie kontinuierliche Verbesserungen zu nutzen. Digitalisierung wurde damit nicht als eigenständiges Technologieprojekt verstanden, sondern als fester Bestandteil der täglichen Produktion.
Die technologische Weiterentwicklung wurde von Beginn an mit der Einbindung der Mitarbeitenden verbunden. Während des gesamten Veränderungsprozesses flossen ihre Erfahrungen aus der Fertigung in die Weiterentwicklung der automatisierten Prozesse ein. Gleichzeitig wurden sie durch Qualifizierungsmaßnahmen auf neue technische Aufgaben vorbereitet. Wiederkehrende und körperlich belastende Tätigkeiten wurden schrittweise automatisiert. Dadurch konnten sich die Mitarbeitenden verstärkt auf Prozessverbesserungen, Qualitätssicherung und Produktionsplanung konzentrieren. Die Transformation wurde damit von innen heraus gestaltet: Neue Technologien wurden gemeinsam mit den Mitarbeitenden eingeführt und weiterentwickelt, sodass sich Prozesse, Kompetenzen und Organisation Schritt für Schritt gemeinsam verändern konnten.
Parallel zur Weiterentwicklung der Produktion erweiterte das Unternehmen seine Marktaktivitäten. Neben der Automobilindustrie wurden neue Geschäftsfelder in den Bereichen Elektromobilität, Hydraulik, Landwirtschaft, Baumaschinen, Industrietechnik, Lichttechnik sowie Konsumgüter erschlossen. Das im Bereich Automatisierung aufgebaute Know-how ermöglichte darüber hinaus die Weiterentwicklung vom klassischen Lohnfertiger zum Entwicklungspartner, Full-Service-Anbieter und Berater für Automatisierungslösungen. Dadurch verringerte sich die Abhängigkeit von der Automobilindustrie und gleichzeitig eröffnete das Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten.
Die einzelnen Maßnahmen bauten konsequent aufeinander auf. Verbesserte Produktionsprozesse bildeten die Grundlage für die Automatisierung. Die Automatisierung schuf die Voraussetzungen für den Aufbau einer digitalen Produktionsinfrastruktur. Die Digitalisierung verbesserte Transparenz, Produktionsplanung und Prozesssteuerung. Die kontinuierliche Einbindung der Mitarbeitenden stellte sicher, dass neue Technologien dauerhaft in den Arbeitsalltag integriert wurden. Gleichzeitig verringerte die Erschließung neuer Märkte die Abhängigkeit vom Automobilsektor und stärkte die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens. Die Transformation umfasste dabei nicht nur die Produktion. Parallel entwickelten sich Produkte, Prozesse, digitale Technologien, die Kompetenzen der Mitarbeitenden sowie das Geschäftsmodell kontinuierlich weiter. Aus vielen einzelnen Entwicklungsschritten entstand so ein ganzheitlicher Transformationsprozess.
Das Beispiel Ellenberger zeigt, dass industrielle Transformation kein einmaliges Großprojekt ist, sondern ein langfristiger Entwicklungsprozess. Erfolgreiche Veränderung beginnt früh und verbindet die kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten, Produktionsprozessen, Automatisierung, digitaler Infrastruktur, Mitarbeitenden sowie des Geschäftsmodells. Schrittweise umgesetzte Veränderungen ermöglichen es, neue Technologien, Prozesse und Kompetenzen gemeinsam aufzubauen und die Mitarbeitenden aktiv in den Wandel einzubeziehen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen zeigt dieses Beispiel, dass Transformation nicht mit hohen Einstiegshürden verbunden sein muss. Sie kann in vielen aufeinander aufbauenden Schritten gestaltet werden, sodass Technologien, Organisation und Mitarbeitende gemeinsam wachsen und sich kontinuierlich weiterentwickeln können.
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